
Gedanken zum Markus-Evangelium
„Gekommen, um zu dienen“ - so beschreibt Markus den Herrn Jesus Christus in seinem Evangelium. Hier nähern wir uns dem Höhepunkt seines Dienstes: dass Er sein Leben gab „als Lösegeld für viele“ (Kap. 10,45).
Mit Beginn der sechsten Stunde, als Jesus bereits drei Stunden am Kreuz hängt, geschieht etwas Außergewöhnliches: Obwohl die Sonne im Zenit steht, wird es finster. Wohlgemerkt: keine Sonnenfinsternis! Denn diese tritt nur bei Neumond ein, während das Passahfest bei Vollmond stattfand. Außerdem dauert eine totale Sonnenfinsternis nur wenige Minuten, nicht drei Stunden.
Ließ Gott es dunkel werden, um deutlich zu machen, dass niemand ermessen kann, wie unsagbar schwer die Leiden seines Sohnes in diesen drei Stunden waren? Die „Finsternis über das ganze Land“ erinnert jedenfalls an die Empfindungen, die der Psalmendichter prophetisch im Blick auf Jesus ausspricht: „Du hast mich in die tiefste Grube gelegt, in Finsternisse, in Tiefen“ (Psalm 88,7).
Der Schrei am Ende dieser drei Stunden gewährt uns einen Einblick in das Geschehen: Weil Jesus mit Sünden beladen, ja sogar zur Sünde gemacht worden ist, muss Gott sich von Ihm abwenden und antwortet nicht auf sein Rufen. Wie unbeschreiblich sind seine Qualen - fern von Gott! Und doch hält Er unbeirrt daran fest, dass Gott sein Gott ist. Dabei weiß Jesus genau, warum Gott Ihn verlässt. In Psalm 22, aus dem Er hier Wort für Wort zitiert, lesen wir, wie Er seine Frage selbst beantwortet: „Du bist heilig“ (V. 4). Auf die Frage „Warum hast du mich verlassen?“ antwortet der Glaubende: Weil Er aus Liebe das Strafgericht Gottes ertrug, das ich verdient hatte.