So Sonntag
15
Dez Dezember
Einige aber von ihnen sagten: Konnte dieser, der die Augen des Blinden auftat, nicht bewirken, dass auch dieser nicht gestorben wäre? Jesus nun, wieder tief in sich selbst seufzend, kommt zur Gruft. Es war aber eine Höhle, und ein Stein lag davor. Jesus spricht: Nehmt den Stein weg! Die Schwester des Verstorbenen, Martha, spricht zu ihm: Herr, er riecht schon, denn er ist vier Tage hier. Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubtest, so würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen?
Johannes 11,37–40

Gedanken zum Johannes-Evangelium

„Weint mit den Weinenden“ - dieses Wort aus dem Römerbrief hat Jesus Christus beispielhaft vorgelebt. Es ließ die Juden nicht unberührt, dass Jesus anlässlich der großen Trauer im Haus von Bethanien Tränen vergoss. Doch hätte Er nicht den Tod des Lazarus verhindern können?, fragen einige. Natürlich hätte Er das tun können. Allerdings hätten die beiden Schwestern dann nicht die Liebe und das Mitgefühl ihres Herrn so intensiv erleben können. Und auch die Herrlichkeit des Sohnes Gottes - seine Liebe und seine Macht - wäre dann nicht in diesem Ausmaß zum Vorschein gekommen.

Zum zweiten Mal lesen wir hier, dass Jesus seufzt - beim ersten Mal mit dem Zusatz: „und erschütterte sich“ (V. 33). Was ging in Ihm vor? Keiner empfand so tief wie Er, wie schrecklich die Folgen der Sünde sind: Krankheit, Tod und Trauer. Ihn überkam ein heiliger Zorn angesichts der Macht des Todes. Zum anderen trug Er in seinem Herzen die Leiden derer, die Er heilte, und lud ihre Schmerzen auf sich (Jesaja 53,4; Matthäus 8,17).

Nachdem der Herr geboten hat, den Stein vom Grab wegzunehmen, macht sich Martha bemerkbar. Der Leichengeruch macht ihr bewusst, wie aussichtslos die Situation ist. Doch gerade dann, wenn menschlich gesehen alles aussichtslos erscheint, handelt Gott zu seiner Ehre und zum Wohl seiner Kinder.