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Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.
Johannes 12,32

Michelangelo Buonarroti (1475–1564) ist einer der gewaltigsten Künstler des Abendlandes. Er ist bekannt als Maler, Bildhauer und Architekt, aber er hat auch meisterhafte Gedichte hinterlassen. In seinem letzten Sonett zieht er als etwa 80-Jähriger Bilanz. Er vergleicht sein Leben mit der Fahrt auf schwankendem Kahn durch stürmische See; und er macht sich bewusst, dass er am Ziel dieser Reise Rechenschaft über all sein Tun ablegen muss.

Seine Hingabe an die Kunst kann ihm in diesem Punkt nicht helfen, das weiß Michelangelo. Deshalb wendet er den Blick nach vorn und schließt mit den Worten: „Nicht Malen und nicht Meißeln schafft der Seele Heil, sondern nur die Hinwendung zu der Liebe Gottes, die am Kreuz die Arme öffnet, uns zu ergreifen.“

In diesen Worten sehen wir, wie jemand die Verheißung unseres Bibelwortes in Anspruch nimmt, denn die „Erhöhung“, von der Jesus in unserem Tagesvers spricht, bedeutet eben seine Kreuzigung. Für jeden Menschen ist diese Einsicht Michelangelos unabdingbar: Alles eigene Tun kann uns vor Gottes Gericht nicht rechtfertigen; und nur indem wir uns zu dem Einen hinwenden, der auf Golgatha die Strafe für die Sünden getragen hat, können wir „der Seele Heil schaffen“ – das heißt Vergebung der Schuld und ewiges Leben erlangen.

Die ausgebreiteten Arme des Gekreuzigten sind der höchste Ausdruck der Liebe Gottes. Gott will nicht das Verderben des Ihm entfremdeten Menschen, sondern Er ruft ihn in seine Gemeinschaft zurück; ja noch mehr: Er will ihn als sein Kind annehmen. Jesus bezeugt von sich selbst:

„Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“ Johannes 3,14.15; vgl. 4. Mose 21,6-9