So Sonntag
17.
Okt Oktober
Als nun Pilatus dieses Wort hörte, fürchtete er sich noch mehr; und er ging wieder in das Prätorium hinein und spricht zu Jesus: Woher bist du? Jesus aber gab ihm keine Antwort. Da spricht Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Gewalt habe, dich freizulassen, und Gewalt habe, dich zu kreuzigen? Jesus antwortete ihm: Du hättest keinerlei Gewalt gegen mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre; darum hat der, der mich dir überliefert hat, größere Sünde.
Johannes 19,8–11

Gedanken zum Johannes-Evangelium

Der letzte Anklagepunkt, den die jüdischen Führer gegen Jesus genannt haben, lautet: „Er muss sterben, weil er sich selbst zu Gottes Sohn gemacht hat.“ Pilatus bekommt es mit der Angst zu tun. Ist er als Heide abergläubisch und denkt, er habe es mit einem Mann zu tun, der mit überirdischen Mächten in Verbindung steht? Vielleicht ahnt er auch etwas von der Göttlichkeit Jesu. Seine Frage: „Woher bist du?“, entspringt aber wohl keinem aufrichtigen persönlichen Interesse. Sonst hätte der Herr ihm gewiss eine weiterführende Antwort gegeben. Nun aber schweigt Er.

Gekränkt durch das Schweigen des Herrn rühmt Pilatus sich seiner Macht. Offensichtlich merkt er gar nicht, dass er unter dem Einfluss der schreienden Menge steht, die die Kreuzigung Jesu fordert. Überdies: Was nützt Macht, wenn sie auf Kosten der Wahrheit und des Rechts ausgeübt wird?

Pilatus steht einer Person gegenüber, die unendlich mächtiger ist als er selbst. Pilatus hat nur Macht über Jesus, weil sie ihm „von oben“ gegeben ist. „Von oben“ bedeutet nicht etwa: „vom Kaiser Tiberius“, sondern: „von Gott“. Gott ist es, der in diesem Moment den Menschen erlaubt, ihre Macht zu gebrau­chen, damit sein Ratschluss ausgeführt wird: Jesus steht im Begriff, das Sühnopfer für die Sünden zu werden, durch das Gott geehrt worden ist und Menschen, die an Ihn glauben, Vergebung und ewigen Segen empfangen.