
Von der Enge in die Weite
Der antike Psalmendichter David gewährt uns einen tiefen Einblick in seine Gedanken und Gefühle. Er beobachtet und stellt fest: „HERR, du hast mich erforscht und erkannt! Du kennst mein Sitzen und mein Aufstehen, du verstehst meine Gedanken von fern. Du sichtest mein Wandeln und mein Liegen und bist vertraut mit allen meinen Wegen. Denn das Wort ist noch nicht auf meiner Zunge, siehe, Herr, du weißt es ganz“ (V. 1-4). Wir können nachvollziehen, dass David sich eingeengt und nahezu erdrückt fühlt, als hätte er kaum Luft zum Atmen.
Im Verlauf des Psalms lernt er Gott jedoch immer besser kennen: Er erkennt, dass Gott alles weiß (V. 1-6), dass Er überall gegenwärtig (V. 7-12) und allmächtig ist (V. 13-18). Es gibt keinen Ort, sei es in der Höhe oder in der Tiefe oder weit entfernt, an dem Gott nicht ist. Er bildet sogar die „Gebeine im Leib der Schwangeren“ (Prediger 11,5), sieht die Persönlichkeit, die vom Knäuel und Embryo zum Baby heranwächst. Gott ist der Schöpfer, der alles gestaltet und formt.
Je mehr David Gott kennenlernt, desto mehr Vertrauen fasst er zu Ihm. Deshalb schließt er seinen Psalm mit dem innigen Wunsch: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken!“ (V. 23).
David hat verstanden: Gott meint es gut mit mir, Er will mich segnen. Daher bittet er Gott, ihm die verborgenen Stellen in seinem Leben zu zeigen, wo Sünden schlummern, die bereinigt werden müssen, weil sie zwischen ihm und Gott stehen. David sehnt sich danach, nah bei Gott zu sein, und möchte, dass nichts das Miteinander mit Ihm stört.
Wer Gott in sein Leben hineinlässt, wird Großes erleben - auch heute noch. Er wird von der Enge in die Weite geführt.