Di Dienstag
3.
Nov November
Ein Zufall ist es uns gewesen.
1. Samuel 6,9

Die Geisterfahrt (2)

Die Straßenbahn rast ungebremst durch die nächtliche Stadt, denn der Fahrzeugführer ist ohnmächtig geworden. Die Fahrgäste betätigen die Notbremse - doch nichts passiert. Schließlich alarmieren sie die Polizei, die sich mit der Leitstelle der Verkehrsbetriebe in Verbindung setzt. Dort ist man noch völlig ahnungslos. So schnell wie möglich wird nun den Fahrgästen per Telefon erklärt, was sie tun sollen: Die Tür zur Fahrerkabine eintreten und den Totmannschalter freilegen! Gleichzeitig machen sich zahlreiche Rettungsdienste mit Blaulicht auf den Weg. Dann endlich - nach mehr als zehn langen Minuten - kommt die Bahn zum Stehen. Die albtraumartige Geisterfahrt ist zu Ende!

Natürlich wird der Vorfall untersucht. Der zustän­dige Regierungspräsident sagt später: „Mit einem führerlosen Zug durch die Nacht zu rasen, stellt man sich höchstens in Horrorfilmen vor. Das lässt einen den Atem stocken.“ 6,5 Kilometer fuhr die Bahn unkontrolliert mit nahezu 80 km/h durch die Dunkelheit. Was hätte alles passieren können, da sich viele Schranken nicht schlossen? Was wäre, wenn die Bahn entgleist wäre? Die Behörden recherchieren, prüfen - und kommen zu dem Schluss: „Es hätte alles viel schlimmer kommen können.“ Und: „Eine Verkettung von Zufällen, die es deutschlandweit so noch nie gab.“

Natürlich - es hätte alles viel schlimmer kommen können. Aber: Eine bloße Verkettung von Zufällen? Deutet das Ganze nicht vielmehr darauf hin, dass jemand seine Hand über die Fahrgäste gehalten hat? So viele „Zufälle“ auf einmal - beim Entstehen der Gefahr und bei der Bewahrung mittendrin? Ob der Fahrer oder die Fahrgäste Gott für die Rettung gedankt haben? Oder ist der Vorfall für sie nur eine Anekdote des Lebens, eine Geschichte zum Weitererzählen?