So Sonntag
1.
Nov November
Die Hohenpriester aber wiegelten die Volks­menge auf, dass Pilatus ihnen lieber Barabbas freilasse. Pilatus aber antwortete und sprach wieder zu ihnen: Was wollt ihr denn, dass ich mit dem tue, den ihr König der Juden nennt? Sie aber schrien wieder: Kreuzige ihn! Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat er denn Böses getan? Sie aber schrien übermäßig: Kreuzige ihn! Da aber Pilatus der Volksmenge einen Gefallen tun wollte, ließ er ihnen Barabbas frei und überlieferte Jesus, nachdem er ihn hatte geißeln lassen, damit er gekreuzigt würde.
Markus 15,11–15

Gedanken zum Markus-Evangelium

Das Verhältnis des römischen Statthalters Pilatus und der Juden könnte man mit „Antipathie“ be­schreiben. Kein Wunder, dass Verhandlungen zwischen diesen beiden Parteien schwierig sind. Da Pilatus nicht riskieren will, dass ihn die Juden beim Kaiser anklagen, versucht er, Revolten in Judäa zu verhindern. Die Gepflogenheit, zum Pas­sah­­­fest einen Gefangenen zu begnadigen, hilft ihm dabei, das Volk zu besänftigen.

Jetzt ist es wieder so weit: Die Volksmenge fordert eine Freilassung. Sogleich bietet Pilatus ihnen „den König der Juden“ an und hofft, dass sein Angebot ihnen zusagt. Denn am liebsten möchte er kein unschuldiges Blut vergießen.

Der Vergleich zwischen Barabbas und Jesus fällt eindeutig aus: dieser - ein Sohn des Teufels, jener - der Sohn Gottes; dieser - ein Mörder, jener - der Retter der Welt; dieser - ein Aufrührer, jener - ein Mann, „in dessen Mund keine Gegenreden sind“ (Psalm 38,15).

Doch der Neid der Hohenpriester ist grausam: Sie hetzen die Volksmenge gegen Jesus auf, so dass diese nicht mehr zu bändigen ist. Ohne jegliche Begründung fordert sie die Kreuzigung Jesu, ganz gleich, was Pilatus ihnen auch entgegensetzt.

Das Volk, in dem Jesus Christus wohltuend und heilend gewirkt hat, entscheidet sich schließlich gegen Ihn. Genauso tragisch ist die Entscheidung des Pilatus: Er lässt den „Heiligen und Gerechten“ töten, um seine politischen Vorteile zu sichern.