
Gedanken zum Markus-Evangelium
Als der Statthalter Pilatus hörte, dass Jesus ein Galiläer sei, schob er Ihn zu dem König Herodes ab, der Galiläa regierte und zu diesem Zeitpunkt in Jerusalem war (vgl. Lukas 23,6–12). Doch darüber berichtet der Evangelist Markus nicht; er geht gleich zum sechsten und letzten Verhör über, das erneut vor Pilatus stattfindet.
Pilatus steht vor einem Dilemma: Er weiß genau - und Herodes hat es bestätigt -, dass dieser Nazarener unschuldig ist, wogegen die neidischen Hohenpriester der Juden die Todesstrafe fordern. Wenn Pilatus sich nicht darauf einlässt, droht ein möglicher Aufstand des Volkes, der seinem Ansehen in Rom schaden könnte. Wie kann er also den Prozess gegen Jesus beenden und die Ankläger dennoch zufriedenstellen?
Als Pilatus deutlich macht, dass er Jesus „freilassen“ will (Lukas 23,16), fordert die Volksmenge, dass er ihnen das gewohnte Privileg gewährt, einen Gefangenen ihrer Wahl freizugeben. Darin sieht Pilatus offensichtlich eine Chance, kein unschuldiges Blut vergießen zu müssen. Ihm ist zudem bewusst, dass sich das jüdische Volk nach einem eigenen König sehnt. Deshalb bietet er ihnen gleich den „König der Juden“ an, den er politisch für harmlos hält.
Außer Jesus käme nur noch ein weiterer Gefangener für diese außergewöhnliche Begnadigung in Frage: Barabbas („Sohn des Vaters“), ein Aufrührer und Mörder. Auf wen wird die Wahl fallen?