
Gedanken zum Markus-Evangelium
Jesus Christus steht vor dem Hohenpriester Kajaphas und wird verhört. Eine ganze Zeit lang schweigt Er, denn die falschen Zeugenaussagen widersprechen sich selbst. Doch als die entscheidende Frage gestellt wird - wer Jesus wirklich ist -, hören wir wunderbare Worte aus seinem Mund: Er ist Gott selbst, der Ewige. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung würde Er sich „zur Rechten der Majestät in der Höhe“ setzen - und dort ist Er bis heute (vgl. Hebräer 1,3).
Der Hohepriester versteht die Antwort Jesu richtig, doch seine Reaktion ist völlig falsch. Zum einen bezichtigt er den Herrn der Lästerung, obwohl der Mensch Jesus Christus genau das ist, was Er sagt: Gott, der Sohn. Wer Ihm diese Wahrheit abspricht, macht sich selbst schuldig - und lästert.
Zum anderen reagiert der Hohepriester so unbeherrscht, dass er seine Kleider zerreißt. Auch hierin macht er sich schuldig: Im Gesetz Moses wird dem Hohenpriester ausdrücklich untersagt, seine Kleider zu zerreißen (vgl. 3. Mose 21,10).
Wie paradox: Die ungerechten Führer des Volkes verurteilen ihren Messias einzig aufgrund seines Zeugnisses, weil alle anderen Anklagen gegen Ihn scheitern.
Wie entfesselte Wasser bricht die Wut der Menschen hervor. Sie schrecken nicht davor zurück, den „Heiligen und Gerechten“ zu verspotten und Ihn mit Speichel und Faustschlägen zu entehren. Der Sohn Gottes könnte sich dem jederzeit entziehen - und tut es nicht (vgl. Jesaja 50,6).