Mi Mittwoch
9.
Sep September
Esau fand keinen Raum zur Buße.
Hebräer 12,17

Von der Reue zur Buße

Der Begriff Reue kommt in der Bibel nur selten vor. In bestimmten Zusammenhängen wird der Ausdruck bildlich in Bezug auf Gott verwendet, wenn es heißt, dass Gott etwas „gereute“. Die wenigen anderen Erwähnungen beziehen sich auf das Bedauern oder das Überdenken einer Entscheidung. Ein besonderer Fall ist die Reue von Judas Iskariot, die ihn in die Verzweiflung stürzte (Matthäus 27,3).

Gottes Wort legt den Schwerpunkt viel mehr auf einen ver­wandten, aber anderen Begriff: die Buße. Buße umfasst Reue, geht jedoch weit darüber hinaus. Sie bezieht sich nicht auf äußer­liche Bußübungen oder Strafzahlungen, wie etwa „Bußgelder“. Wer im biblischen Sinn Buße tut, akzeptiert das Urteil Gottes über die begangene Sünde, und verurteilt sich auch selbst. In der Buße erkennt und verurteilt man zudem die eigenen bösen Gedanken und Absichten, die zur Tat führten.

Reue hingegen versucht, die Tat ungeschehen zu machen oder zumindest ihre Folgen zu tilgen: „Ach, hätte ich doch nicht …!“ So gesehen, kommt Reue immer zu spät und kann allein nichts bewirken. Buße hingegen ist immer rechtzeitig. Sie ist die Einsicht darüber, was man Gott (und Menschen) angetan hat, und sie gibt Gott die Ehre.

Reue kann zu einer quälenden Erfahrung werden, während Buße zum offenen Bekenntnis der Schuld und damit zur Vergebung führt. Sie schafft Frieden im Herzen und führt zur Freude des Heils (vgl. Psalm 51).

Esau weinte zwar bittere Tränen, weil ihm der Segen entging, der ihm zuvor wenig bedeutete, doch „er fand keinen Raum zur Buße“ und blieb ein „Ungöttlicher“. Im Gegensatz dazu kam sein Bruder Jakob, der Stammvater des Volkes Israel, zu einer tiefen Einsicht über sich selbst. Trotz seiner unrühmlichen Vergangenheit wurde er schließlich zu einem „Gotteskämpfer“ (hebr. Israel, Jakobs Ehrenname, den Gott ihm gab).