
Gedanken zum Markus-Evangelium
Gerade hat Jesus seine Jünger aufgefordert, aus Gethsemane aufzubrechen, weil Judas schon im Begriff steht, Ihn an die Feinde zu überliefern. Noch während Er spricht, trifft Judas mit einer bewaffneten Volksmenge ein.
Wer steckt hinter dieser Menge? Die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten - also die geistlichen Führer Israels. Eigentlich sollte man von ihnen eine Rechtsprechung im Sinne Gottes erwarten, doch stattdessen sind sie entschlossen, einen vermeintlich gefährlichen „Übeltäter“ festzunehmen. Deshalb auch die Schwerter und Stöcke. Oder befürchten sie etwa, die Jünger könnten Widerstand leisten?
Die Festnahme ist bis ins Detail geplant, denn diesmal soll nichts schiefgehen. Da es bereits dunkel ist, will Judas vorausgehen und durch einen Kuss zeigen, wer ergriffen werden soll. Beachten wir, wie er hier beschrieben wird. Zunächst heißt es: „einer der Zwölf“, was seine vertraute Beziehung zum Herrn betont. Doch unmittelbar danach wird nicht sein Name genannt, sondern die schreckliche Tat, die ihn kennzeichnet: „der ihn aber überlieferte“.
Was für eine Heuchelei: Judas benutzt das Zeichen der Liebe, um den Sohn Gottes zu verraten. So zärtlich diese Geste wirkt, so verhärtet ist sein Herz. „Überreichlich sind des Hassers Küsse“, sagt der weise Salomo (Sprüche 27,6). Wie tief den Herrn dieser Verrat getroffen hat, beschreibt Psalm 55,13–15 auf eindrückliche Weise.