
Der vorhergesagte Schmetterling
Auf der afrikanischen Insel Madagaskar wächst der Stern von Madagaskar, eine wunderschöne Orchideenart. Besonders auffällig ist sein fast 30 cm langer Blütensporn, an dessen Ende der süße Nektar sitzt - ein raffinierter Lockstoff für Tiere, die die Pflanze bestäuben sollen.
Als der britische Naturforscher Charles Darwin (1809-1882) im Jahr 1862 ein Exemplar der Pflanze sah, war er sofort fasziniert. Nicht nur von ihrer Schönheit, sondern vor allem von dem ungewöhnlich langen, peitschenförmigen Nektarium. Begeistert schrieb er einem Freund: „Gütiger Himmel, welches Insekt soll daran saugen?“ Er vermutete die Existenz eines Falters mit einem entsprechend langen Saugrüssel und ging sogar so weit zu behaupten, dass das Überleben dieser Orchideenart von genau diesem Schmetterling abhinge.
Die Wissenschaft war zunächst skeptisch. Doch 1903 wurde das vermutete Insekt tatsächlich entdeckt. Es erhielt den Namen Xanthopan morganii praedicta - der „vorhergesagte Schmetterling“. Hätte dieser einen kürzeren Rüssel, würde er woanders seinen Hunger stillen - und die Pflanze würde mangels Bestäubung aussterben.
Doch was war zuerst da? Wuchs der Blütensporn immer länger - und der Rüssel des Schmetterlings passte sich an? Oder entwickelte sich der Rüssel zuerst - und die Pflanze folgte? Oder sind vielleicht beide von Anfang an perfekt füreinander geschaffen worden?
Darwin sprach von einer evolutionären Liebesgeschichte zwischen Pflanze und Tier, die Bibel dagegen spricht von den „Wundertaten des an Wissen Vollkommenen“. Hier passt alles wie ein Schlüssel zum Schloss. Und das musste von Beginn an so sein, sonst gäbe es heute weder diese Orchidee noch den Rüssel-ausrollenden Schmetterling.