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29.
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Gott sagt: Wenn er zu mir schreit, so werde ich ihn erhören, denn ich bin gnädig.
2. Mose 22,26

Christen in aller Welt - Chi aus Nordkorea (1)

Chi wohnt mit seiner Familie in Nordkorea. Er ist ein glühender Anhänger der Kim-Dynastie, so wie er es von klein auf gelernt hat. Fest überzeugt glaubt er an die Chuch’e-Ideologie, nach der Nordkorea allein und im Widerstand gegen den Rest der Welt den Kommunismus aufbaut. Für ihn ist sein Land das beneidenswerteste der Welt.

Dann bricht Hungersnot aus. Drei Jahre lang erhält er weder Lohn noch Essenszuteilung für seine Familie. Der Hunger ist allgegenwärtig. Die Menschen ernähren sich von Maiswurzeln, Baumrinde und Gräsern. Am Ende, als es gar nichts mehr gibt, greifen sie zu einem giftigen Gras, das schwere Durchfälle verursacht. Chis Familie stirbt - seine Eltern, seine Frau, seine Tochter. In seiner Verzweiflung fasst Chi den Entschluss, nach China zu fliehen. Mit dem Zug reist er ins Grenzgebiet und schleppt sich zu Fuß weiter. Schließlich erreicht er den Fluss Tumen, der im Sommer nur wenig Wasser führt.

„Ich rechnete jeden Augenblick mit meinem Tod - und wollte doch unbedingt leben“, erzählt Chi später. „Damals hätte ich jeden getötet, der sich mir in den Weg stellte. Und doch schrie mein Herz nach Gott, nur wusste ich es noch nicht.“ Erst später erkennt er aus der Bibel: Gott hat das Wissen um die Ewigkeit in jedes Menschenherz gelegt (vgl. Prediger 3,11). Alles geht gut - Chi wird von den Grenztruppen nicht entdeckt.

In China sieht Chi, wie Hunde mit Fleisch gefüttert werden. Diese Erkenntnis bringt ihn fast um den Verstand. Er ist erfüllt von Wut und Hass. In Nordkorea hat man ihn gelehrt, es sei das beste Land der Welt - doch nun muss er erkennen: In China leben selbst die Hunde besser als die Menschen in seiner Heimat. Für ihn steht fest: Niemals wird er nach Nordkorea zurückkehren.

(Schluss morgen)