
Gedanken zum Markus-Evangelium
Donnerstagabend, in einem gepolsterten Obersaal: Jesus Christus feiert mit seinen Jüngern das Passah - ein Fest, das an die Erlösung des Volkes Israel aus der ägyptischen Knechtschaft erinnert. Doch plötzlich nimmt Er Brot, spricht ein Dankgebet und verteilt es an sie. Damit unterbricht Er den gewohnten Ablauf der Feier. Diese Handlung markiert den Beginn von etwas Neuem: das „Mahl des Herrn“, auch „Abendmahl“ genannt - eine schlichte Mahlzeit, die jedoch von tiefer und weitreichender Bedeutung ist, wie wir noch sehen werden.
Es ist nicht das erste Mal, dass Jesus Brot nimmt und es segnet oder dafür dankt. Beim Speisungswunder zum Beispiel begegnen uns dieselben Worte (Kap. 6,41). Auch die Tatsache, dass Brot gebrochen und ausgeteilt wird, ist nichts Ungewöhnliches. Der Prophet Jeremia sagt: „Man wird ihnen kein Brot brechen bei der Trauer, um jemand zu trösten über den Toten, noch ihnen zu trinken geben aus dem Becher des Trostes über jemandes Vater und über jemandes Mutter“ (Kap. 16,7). Ebenso berichtet die Apostelgeschichte von Paulus: „Als er … Brot genommen hatte, dankte er Gott vor allen, und als er es gebrochen hatte, begann er zu essen“ (Kap. 27,35). „Brot brechen“ steht also für eine gemeinsame Mahlzeit.
Doch was nun folgt, ist außergewöhnlich: Das Brot des Abendmahls symbolisiert den Leib Jesu. Der Evangelist Lukas ergänzt die Worte des Herrn: „… der für euch gegeben wird; dies tut zu meinem Gedächtnis!“ (Kap. 22,19). Es geht also nicht um eine gewöhnliche Mahlzeit zur Sättigung, sondern um ein Gedächtnismahl. Das Brot bleibt Brot - doch in den Herzen und Gedanken der Gläubigen richtet sich alles auf den Herrn und seinen Tod, den Er für sie erlitten hat.