
Mount Pelée - ein vermeidbarer Verlust (1)
Der knapp 1.400 Meter hohe Vulkan liegt auf der Karibik-Insel Martinique, die zu den Kleinen Antillen gehört. Als er in den Jahren 1792 und 1851 ausbrach, richtete er zwar nicht viel Schaden an, zerstörte jedoch die gesamte Vegetation rund um den Gipfel. Daher sein französischer Name: Pelée = „kahl“ oder „abgeschält“.
Im Jahr 1902 war Martinique eine französische Kolonie, die Hauptstadt St. Pierre zählte ungefähr 26.000 Einwohner, und für den 11. Mai waren Wahlen angesetzt. Hier ein Auszug aus dem „Tagebuch“ des Vulkans:
- 23. April 1902: Ein leichtes Erdbeben lässt Teller aus den Regalen fallen.
- 24. April: Ein kleiner Ausbruch mit Ascheregen und leichtem Schwefelgeruch. (Der Bürgermeister erklärt, Schwefel sei gesund!)
- 30. April: Drei schwere Erdbeben erschüttern die Region.
- 2. Mai: Vulkanasche legt sich wie ein Schneesturm über das Land.
- 4. Mai: Aus einer Erdspalte steigen heiße Dämpfe auf, die erste Todesopfer fordern.
- 5. Mai: Ameisen, Tausendfüßler und giftige Schlangen verlassen den Berg und überschwemmen die Stadt; Vögel verenden in der Luft durch vulkanische Gase und fallen wie Steine vom Himmel; es gibt bereits 600 Todesopfer, aber eine Untersuchungskommission stellt fest: „Der Pelée zeigt bislang kein Verhalten, das eine Evakuierung von St. Pierre rechtfertigen würde“.
Der Vulkan warnte, doch die Bevölkerung reagierte nicht. Ihr fehlte das Wissen darüber, wie sich ein Vulkan verhalten kann. Und die Behörden? Sie hatten einzig und allein die Wahl am 11. Mai im Kopf. Das Leben warnt auch mich: Es kann schnell zu Ende sein. Bereite ich mich vor und suche Rettung? Oder lebe ich weiter, als ob nichts wäre?