
„Das Feuer fehlt noch“
Die Frau eines angesehenen, stadtbekannten Mannes hatte eine Predigt von Johann Gottfried Seeger (1715-1782) gehört. Bewegt erzählte sie ihrem Mann davon und zog ein erschütterndes Fazit: „Wenn Seeger recht hat, dann sind wir beide für ewig verloren.“
Ihr Mann reagierte abwehrend: „Den will ich sehen, der mir meine Seligkeit absprechen will.“ Aber seine Frau beharrte: „Wenn du Seeger gehört hättest, würdest du ganz anders über dich denken.“ - „Nun gut“, entgegnete er, „ich kann ihn ja mal hören. Ich werde ihn demnächst zum Essen einladen.“
Kurz darauf folgte die Einladung, und Seeger kam. Der Hausherr hatte dafür gesorgt, dass während Seegers Anwesenheit alles still, ordentlich und „christlich“ zuging.
Nach dem Essen wandte er sich direkt an den Prediger: „Herr Pfarrer, nun konnten Sie sich ein Bild davon machen, wie es bei mir aussieht. Sagen Sie mir: Kann ich so in den Himmel kommen?“
Seeger erwiderte ruhig: „Lieber Herr …, Kohlen sind schon da, aber das Feuer fehlt noch.“ Mit diesen Worten verabschiedete er sich.
Zweifellos führen viele Menschen äußerlich ein christliches Leben. Sie besitzen die „Kohlen“ - religiöse Formen, gute Werke, ein sittliches Verhalten. Doch was ihnen fehlt, ist das „Feuer“ des neuen Lebens: der Heilige Geist. Diesen empfangen nur diejenigen, die sich vor Gott als verloren erkennen, aufrichtig Buße tun und an Christus und seinen Sühnetod glauben. Erst dann werden die „Kohlen“ für Gott entzündet.
„Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen“ (Johannes 3,3).