
Gott ist gerecht
Ein angesehener Richter lag im Sterben. Zeit seines Lebens war er für seine unbestechliche Gerechtigkeit bekannt gewesen, und das hatte ihm Zufriedenheit gegeben. Doch nun, auf dem Krankenbett, quälten ihn beunruhigende Gedanken über die Zukunft. Ihm wurde bewusst, dass er trotz seines redlichen und vorbildlichen Lebens ein Sünder war - und dass er vor Gott nicht als gerecht bestehen konnte, so sehr er sich auch um Gerechtigkeit bemüht hatte.
Ein Freund stellte ihm eine entscheidende Frage: „Bist du errettet?“ Der Richter musste verneinen. „Möchtest du gern gerettet werden?“, fragte der Freund weiter. - „Ja“, antwortete er, „aber nicht, wenn Gott dafür irgendetwas Ungerechtes tun muss.“ Er wollte nur auf einer gerechten Grundlage und in rechter Weise errettet werden.
Ähnliches Ringen durchlebte Martin Luther. Auch er sah sich als Sünder, und gerade Bibelstellen wie unser heutiger Tagesvers erfüllten ihn mit tiefer Angst. Er fragte sich: Muss denn Gottes Gerechtigkeit den Sünder nicht bestrafen? Wie kann sie ihn dann retten? Selbst das Studium des Römerbriefs brachte ihm zunächst keine Erleichterung, obwohl dort ausdrücklich gesagt wird, dass im Evangelium Gottes Gerechtigkeit offenbart wird (Römer 1,17).
Sowohl der Richter als auch Luther fanden schließlich die Antwort: Gottes Gerechtigkeit wurde am Kreuz von Golgatha zufriedengestellt. Denn dort nahm Christus als Stellvertreter die gerechte Strafe Gottes auf sich. Deshalb ist Gott jetzt vollkommen gerecht, wenn Er den rettet und rechtfertigt, der an Jesus Christus glaubt und sein stellvertretendes Sterben für sich in Anspruch nimmt. So bilden Gottes Gerechtigkeit und seine Liebe zu dem verlorenen Sünder eine harmonische Einheit (Römer 3,26).