
Gedanken zum Markus-Evangelium
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ - so hören die Menschen Jesus schreien, nachdem Er sechs Stunden am Kreuz gehangen hat. Dieser Schrei ist markerschütternd und spiegelt die unsagbaren Leiden wider, die Jesus als das „Lamm Gottes“ erduldete, um die Sünde durch sein Opfer abzuschaffen (Johannes 1,29; Hebräer 9,26). Die umstehenden Juden erkennen offenbar nicht, dass Jesu Schrei ein Zitat aus Psalm 22 ist. Stattdessen bringen sie Elia ins Spiel - vielleicht in der Erwartung, der Vorläufer des Messias könne eingreifen und den Gekreuzigten vom Kreuz holen, um die messianische Zeit einzuläuten. Einer von ihnen verhöhnt diese Überlegung, indem er ein weinhaltiges Getränk holt - nicht aus Mitgefühl, sondern um das Leiden Jesu zu verlängern und sein Sterben hinauszuzögern.
Plötzlich geschieht das Unerwartete: Jesus stirbt! Man erwartet, dass der Gekreuzigte irgendwann erstickt, wie es sonst gewöhnlich geschieht. Aber hier schreit jemand noch laut auf - und ist dann tot. Einmalig: Der Sohn Gottes hat die Macht, sein Leben selbst hinzugeben - und es wiederzunehmen (vgl. Johannes 10,17).
Gott sorgt dafür, dass der Tod seines Sohnes mit einem Wunderzeichen im Tempel bestätigt wird. Der aus dickem Gewebe bestehende Vorhang, der normalerweise den Zutritt zum sogenannten Allerheiligsten versperrt, zerreißt von oben bis unten. Damit beginnt eine neue Zeitepoche: Durch das Blut Jesu haben alle Gläubigen freien Zugang zu Gott; sie treten als Priester vor Ihn, um Lobopfer zu bringen (vgl. Hebräer 10,19–22).