Do Donnerstag
17.
Dez Dezember
O dass ich Flügel hätte wie die Taube!
Psalm 55,7

Morgen wird geflogen!

Die Gebrüder Wright haben alles gelesen, was es zum Thema Fliegen gibt. Ihr Ziel: ein Fluggerät bauen, dass sich steuern lässt, stabil in der Luft bleibt - und sicher wieder landen kann.

Ihr großes Vorbild ist Otto Lilienthal, ein deut­scher Ingenieur und Flugpionier, der mit seinen Gleitfliegern Distanzen von bis zu 250 Metern erreichte. Im Jahr 1896 kam er bei einem dieser Flüge um Leben. Die Wrights erkennen, dass allein mit Muskelkraft kein anhaltender Flug möglich ist. So bauen sie sich einen Benzin­motor - 81 Kilo­gramm schwer, mit einer Leistung von 12 PS.

Zehn Jahre Entwicklungsarbeit liegen hinter ihnen, als sie am 17. Dezember 1903 die Bauern der Umgebung einladen, am Strand von Kitty Hawk (North Carolina) den ersten motorisierten Flug mitzuerleben. „Morgen wird geflogen!“ heißt es - doch nur fünf Männer erscheinen. Sie sehen, wie Orville Wright mit 16 km/h drei Meter über dem Boden fliegt und nach zwölf Sekunden wieder sicher im Sand landet. Der erste kontrollierte, motorisierte Flugversuch ist geglückt. Bei weiteren Versuchen gelingt es den Brüdern, ihr Flugzeug 250 Meter in der Luft zu halten. Dabei ist dieses Flugzeug kein Zufallsprodukt. Es steht am Ende jahre­langer, zielgerichteter Forschung, geprägt von Sachverstand und Durchhaltevermögen.

Auch Vögel fliegen und sind dabei viel wendiger und sicherer in der Luft, als der Mensch es je erreichen wird. Sollte das, was bei Menschen mühsam und kostenintensiv entwickelt wurde, bei Vögeln ganz ohne Plan und ohne Ziel einfach durch Zufall entstanden sein? Muss man beim Vogel­flug nicht ebenso ein planerisches Genie hinter Technik, Funktion und Material erkennen?