
Gedanken zum Markus-Evangelium
Wie viele Menschen während des Römischen Reiches gekreuzigt wurden, lässt sich nicht genau sagen. Schätzungen gehen von über 100.000 aus. Noch weniger bekannt sind Details wie die Uhrzeit, an denen die Gehängten diesen qualvollen Tod erlitten. Umso bemerkenswerter ist es, dass im Bericht über die Kreuzigung Jesu die „dritte Stunde“ genannt wird. Gemeint ist die Zeit zwischen 8:00 und 9:00 Uhr am Morgen, da die Juden die Stunden des hellen Tages von Sonnenaufgang an zählten (vgl. Johannes 11,9).
Wieder sind die Parallelen zwischen dem Tod Jesu und den jüdischen Vorschriften unübersehbar: Jeden Morgen sollten ein Lamm als Brandopfer dargebracht und Gewürze geräuchert werden. Diese Vorschriften finden in Jesus Christus, dem Lamm Gottes, ihre volle Erfüllung: „Christus hat uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch“ (Epheser 5,2; vgl. 2. Mose 29,39; 30,7).
So wertvoll Jesus für Gott ist, so wertlos erscheint Er seinen Feinden. Das zeigen sowohl die Aufschrift über dem Kreuz als auch der Platz, an dem es aufgerichtet wurde. Gott gebraucht hier ein schlichtes Schild, um weithin zu verkündigen, dass der verachtete Jesus von Nazareth in Wahrheit „der König der Juden“ ist. Diese Aufschrift wird somit zu einer „Beschuldigung“ derjenigen, die Ihn verworfen haben.
Dass Jesus zwischen zwei Räubern gekreuzigt wird, soll unmissverständlich zeigen, dass Er als „Abscheu der Nation“ gilt. Unbegreiflich, dass Christus, der Sohn Gottes, sich unter die Abtrünnigen zählen ließ (Jesaja 49,7; 53,12)!
Es bleibt die Frage: Was empfinden Sie und ich für den leidenden Knecht Gottes?