
Gedanken zum Markus-Evangelium
Im Prozess gegen Jesus von Nazareth gelangen wir nun zum vierten Verhör. Nachdem Jesus Christus sich vor den Hohenpriestern Annas und Kajaphas sowie vor dem jüdischen Gerichtshof verantworten musste, steht Er jetzt vor dem römischen Statthalter Pilatus.
Offensichtlich haben die religiösen Führer Israels Pilatus bereits über den Fall informiert. Seine Frage an Jesus, ob Er der König der Juden sei, zielt darauf ab, Ihn als politischen Verbrecher zu überführen. Denn wer sich selbst zum „König der Juden“ erklärt, wird zwangsläufig zum Feind des Römischen Reiches.
„Du sagst es“, antwortet Jesus - wie ein bescheidener Diener, der Rede und Antwort steht. Das sollte Pilatus zu denken geben: Welcher Verbrecher würde so offen und ehrlich antworten? Doch Jesus tut das nur, weil es um seine wahre Identität geht. Er ist gekommen, um von der Wahrheit zu zeugen.
Der Apostel Paulus erwähnt in seinem ersten Brief an Timotheus das gute Bekenntnis, das Christus Jesus vor Pontius Pilatus abgelegt hat. Diese Szene soll Timotheus und damit auch uns ermutigen, treue Zeugen zu sein, das heißt, im Vertrauen auf den lebendigen Gott für die Wahrheit einzustehen (vgl. 1. Timotheus 6,13–16).
Gegen alle falschen Beschuldigungen schweigt Jesus konsequent. Weil Er sich niemals selbst rechtfertigen oder verteidigen will, erwidert Er nichts - „wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern“ (Jesaja 53,7). Das ungewöhnliche Verhalten gibt Pilatus zu denken: Nicht Jesus ist schuldig, sondern die Hohenpriester.