
Die Zeit seines kurzen Lebens (2)
Die junge Frau erzählt weiter:
„Die Wochen vergehen, man muss die Zeit des Wartens so gut wie möglich leben … Tag für Tag werden unsere Kräfte erneuert.
Sonntag, 2. Februar 2014. Die ersten Wehen setzen ein. Die Entbindung, vor der ich so große Angst hatte, war - es ist schwer zu erklären - die schönste meiner Entbindungen. Er ist da … Wie lange, wissen wir nicht, aber wir dürfen ihn mit all unserer Liebe umgeben … ihn seinen stolzen großen Brüdern zeigen, mit einer unverhofften Ruhe und einem tiefen Frieden im Herzen. 48 Stunden vergehen, fast ohne Schlaf, um jede so wertvolle Sekunde auszukosten. 48 Stunden und 2 Minuten - dann hört sein Herz auf zu schlagen.
Die Arme zu öffnen, um ihn gehen zu lassen, ist eigentlich unmöglich … es ist so hart. Aber es ist vorbei. Wir haben Gottes Beistand in diesen vier Monaten stark empfunden, aber jetzt beschleicht mich ein Gefühl der Verlassenheit. Wir hätten uns so sehr gewünscht, dass die Geschichte anders verlaufen würde ... Gott vertraut uns Kinder an … Er allein weiß, für wie lange. Es liegt an uns, sie aufzuziehen und für sie zu sorgen.
Wir sind dankbar, dass wir ihm einen Namen geben konnten: Johannes. Dass wir 3480 Gramm und 51 Zentimeter in unsere Arme schließen konnten. Dass wir das Lächeln seiner drei stolzen Brüder sehen durften. Wir sind dankbar, dass wir die Kraft hatten, diese unvergesslichen 48 Stunden und 2 Minuten voll Frieden zu erleben ... Erschüttert vom tiefen Schmerz der Trennung … und doch von Gott getröstet.“ (Sonja)