
Gedanken zum Markus-Evangelium
Bei einer ordentlichen Gerichtsverhandlung wird ein Vergehen nach Recht und Wahrheit beurteilt. Doch hier im Synedrium herrschen skandalöse Zustände: „An der Stätte des Rechts, da war die Gottlosigkeit“ (Prediger 3,16). Man sucht krampfhaft nach Zeugnissen, um das bereits feststehende Todesurteil rechtskräftig zu machen. Doch es überrascht nicht, dass kein belastbares Zeugnis gefunden wird. Jesus Christus ist „der Heilige und Gerechte“ - niemand kann Ihn einer Sünde überführen. Prophetisch heißt es über Ihn: „Wer ist es, der mich für schuldig erklären könnte? Siehe, allesamt werden sie zerfallen wie ein Kleid, die Motte wird sie fressen“ (Apostelgeschichte 3,14; Johannes 8,46; Jesaja 50,9).
Die Feinde Jesu haben schon oft versucht, Ihm aus seinen eigenen Worten einen Strick zu drehen. Nun starten sie einen weiteren Versuch und greifen eine Aussage auf, die Jesus bei der Tempelreinigung gemacht hat. Wörtlich sagte Er: „Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten“ (Johannes 2,19). Doch Ihre verfälschte Wiedergabe verdreht völlig den Sinn seiner Worte. In Wahrheit würden sie Ihn gewaltsam zu Tode bringen, und Er würde nach drei Tagen leiblich auferstehen.
Wie paradox: Die Ankläger bringen ein Zeugnis hervor, das sich in diesem Moment erfüllt. Doch anstatt gegen Christus zu sprechen, offenbart es nur die große Sünde derjenigen, die Ihn verurteilen wollen.