
Gedanken zum Markus-Evangelium
Eine bewaffnete Volksmenge ist in den Garten Gethsemane eingedrungen, um Jesus gefangen zu nehmen. Wie demütigend für Ihn, der nie etwas Unrechtes, geschweige denn Böses getan hat - im Gegenteil: Er war stets ein Wohltäter. Wie kein anderer hat Er das Prinzip „Geben ist seliger als Nehmen“ (Apostelgeschichte 20,35) vorgelebt. Und doch wird Er wie ein Räuber behandelt.
Dass Jesus nun ergriffen wird, ist nicht das Ergebnis eines geschickten Plans der religiösen Führer des Volkes. Nein, es geschieht, weil die Propheten des Alten Testaments es vorausgesagt haben. Denken wir nur an Jesaja 53,7: „Er tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird.“ Schließlich war Christus gekommen, um das Gesetz und die Propheten zu erfüllen (vgl. Matthäus 5,17).
Gleichzeitig erfüllen sich Jesu eigene Worte: „Ihr werdet alle Anstoß nehmen“ (Markus 14,27). Er ist also nicht überrascht, doch es bleibt eine schmerzhafte Erfahrung. Die Jünger ziehen es vor, sich selbst in Sicherheit zu bringen, anstatt ihrem Herrn beizustehen. Hatten sie nicht geschworen, mit Ihm zu sterben?
Ähnlich verhält es sich mit dem jungen Mann, der Jesus nachfolgt. Auch bei ihm soll sich zeigen, wie sein Herz zu dem verworfenen Christus steht. Ist es bloße Neugier, die ihn antreibt, oder sucht er wirklich die Nähe des Herrn? Wir wissen es nicht. Doch eins ist sicher: Er ist nicht bereit, sich selbst zu verleugnen (Kap. 8,34).