Di Dienstag
11.
Aug August
Und Schaphan, der Schreiber, berichtete dem König Josia und sprach: Der Priester Hilkija hat mir ein Buch gegeben. Und Schaphan las darin vor dem König. Und es geschah, als der König die Worte des Gesetzes hörte, da zerriss er seine Kleider.
2. Chronika 34,18.19

Wer beurteilt wen?

Bei Aufräumarbeiten im Tempel von Jerusalem findet der Priester Hilkija ein Buch - offensichtlich die Thora, die fünf Bücher Mose. Ein lange verschollener Schatz! Er übergibt die Schriftrolle dem Schreiber Schaphan, der sie König Josia zeigt und daraus vorliest.

Wie schätzt Josia dieses alte Dokument ein? Kein Wort davon, dass er fragt: „Woher soll ich denn wissen, dass dies wirklich das Wort Gottes ist?“ Nein, er zittert vor den Worten und zerreißt seine Kleider (eine damals übliche Geste, um tiefe Erschütterung und Betroffenheit auszudrücken). Josia zweifelt keinen Moment an der Echtheit und Autorität der Worte, die ihm vorgelesen werden.

Eines sollte auch uns klar sein: Wenn wir meinen, über die Bibel zu Gericht sitzen zu können, erkennen wir sie nicht als das Wort Gottes an. Ist sie aber das Wort Gottes - dann ist sie es, die uns beurteilt, uns einen Spiegel vorhält und uns erkennen lässt, wer wir wirklich sind.

Gerade das ist der Grund, warum viele Menschen die Bibel nicht mögen. Sie ertragen es nicht, durchleuchtet und beurteilt zu werden. Stattdessen untersuchen sie ihrerseits dieses Buch, sezieren den Text, kritisieren und verwerfen Aussagen, die ihnen anstößig erscheinen. Bei anderen Werken würde man das kaum tun. Goethe oder Shakespeare zu kritisieren und dort Fehler und Unstimmigkeiten zu suchen, würde einen Skandal auslösen.

König Josia hingegen reagiert positiv anders: Er hört das Wort Gottes, stellt sich nicht darüber, sondern erkennt an, dass Gott selbst zu ihm spricht. Vorbildlich!