Mi Mittwoch
8.
Jul Juli
Ihr müsst von neuem geboren werden.
Johannes 3,7

Ethik ohne neues Leben?

„Wie soll der Mensch handeln?“ In dieser Frage muss Klarheit herrschen. Das gilt für die Gesetzgebung, für den Ethikunterricht an Schulen und nicht zuletzt für die persönliche Lebensführung.

Die „freiheitliche Ethik der Moderne“ geht auf den Philosophen Immanuel Kant (1724-1804) zurück. In seinem sogenannten kategorischen Imperativ hat Kant formuliert: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“

Schon Jesus Christus hatte in der Bergpredigt gesagt: „Alles nun, was irgend ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen ebenso!“ (Matthäus 7,12).

Auf den ersten Blick scheint das kein großer Unterschied zu sein. Doch Kant geht davon aus, dass Verstand und Wille des Menschen autonom sind - dass der Mensch also fähig ist, sein Handeln unabhängig zu bestimmen.

Bei Christus hingegen sind die sittlichen Forderungen nicht auf die Beziehungen der Menschen untereinander beschränkt. Die Beziehung zu Gott steht in seiner Verkündigung an erster Stelle. Und auch dieses Wort aus der Bergpredigt ist an Menschen gerichtet, die bereits zu seinen Jüngern zählen, die also seinem Ruf zur Umkehr schon Folge geleistet haben. Bevor sie in der Lage sind, sich ihren Mitmenschen gegenüber richtig zu verhalten, haben sie ihre Sache mit Gott in Ordnung gebracht.

Verstand und Wille des Menschen sind durch die Sünde beeinträchtigt und nicht frei. Deshalb betont der Herr Jesus, dass der Mensch ein ganz neues Wesen braucht: „Ihr müsst von neuem geboren werden.“ Nur so kann der Mensch in das Reich Gottes eingehen und nur so ist er in der Lage, ein Leben zu führen, das Gottes Zustimmung hat und zum Wohl seiner Mitmenschen dient. Und wie kommt die Neugeburt zustande? Durch den Glauben an den Namen des Sohnes Gottes (vgl. Johannes 1,12.13).