Mo Montag
20.
Apr April
Mit Gehör werdet ihr hören und doch nicht verstehen, und sehend werdet ihr sehen und doch nicht wahrnehmen.
Matthäus 13,14

Ist es nicht ein Widerspruch?

Ein Interview mit einem Hundertjährigen. Als junger Leutnant kam er Mitte 1942 nach Stalingrad. Wenige Monate später startete die Rote Armee dort einen Gegenschlag und schloss die deutschen Truppen ein. Im Kessel von Stalingrad begann ein erbitterter Überlebenskampf.

Der Veteran berichtet, dass er im Januar 1943 durch eine Verletzung der Wirbelsäule erblindete. Er bekam hohes Fieber und war nicht mehr transportfähig. Auf die Frage im Interview: „War das ihr dunkelster Moment?“, antwortet er: „Ja, als ich dalag und wusste, es geht zu Ende. Da war der liebe Gott ganz weit weg.“ Als man ihn fragt, wie er überlebt hat, erzählt er, dass er - wider Erwarten - durch einen Kameraden zu einem Flugzeug getragen und ausgeflogen wurde. Er fügt hinzu: „Ich hatte einen Schutzengel. Warum ich dieses Glück hatte, weiß ich nicht. Noch heute sage ich immer wieder Dankeschön.“

Einerseits war Gott für ihn ganz weit weg, andererseits erlebte er Glück und die Hilfe eines Schutzengels, die ihn retteten. Was für ein Widerspruch! Warum erkennt er nicht an, dass es Gott war, der ihn gerettet hat? Und wem sagt er überhaupt immer wieder Dankeschön?

Viele Menschen können davon berichten, wie sie - oft mehrfach - dem sicheren Tod entkommen sind. Sie hätten Glück gehabt, sagen sie. Gleichzeitig verneinen manche von ihnen die Existenz Gottes. Ist das nicht ebenfalls ein Widerspruch? Wie gut wäre es, wenn sie erkennen würden, dass es Gott war, der über ihr Leben gewacht hat und sie aus der Todesgefahr gerettet hat! Dann würden sie „hören“ und „verstehen“, würden „sehen“ und „wahrnehmen“. Sie würden erkennen, wie wertvoll ihr Leben für Gott ist, und ihm für seine Rettungen „Danke“ sagen.