Sa Samstag
10.
Jan Januar
Könnte auch eine Frau ihren Säugling vergessen, dass sie sich nicht erbarmte über den Sohn ihres Leibes? Sollten sogar diese vergessen, ich werde dich nicht vergessen.
Jesaja 49,15

Die Vergessenen von Spinalonga

Nicht weit von der griechischen Insel Kreta liegt die Insel Spinalonga (o. Kalydon) - hier spielt der Roman Die Insel der Vergessenen von Victoria Hislop. Zwischen 1904 und 1957 wurden dort alle Leprakranken Kretas und Griechenlands zwangs­weise angesiedelt. Sie hatten dabei kein Mitspracherecht. Ob jung oder alt, alle Kranken wurden auf diese Insel verbannt, um sie von der Gesellschaft zu isolieren und die Ansteckungsgefahr zu verringern.

Einmal auf Spinalonga, gerieten die Ausgestoßenen schnell in Vergessenheit: aus den Augen, aus dem Sinn. Erst 1957 wurde die letzte Leprakolonie Europas aufgelöst, und die Insel der Vergessenen wurde endgültig aufgegeben.

Wie schnell geraten Menschen in Vergessenheit! Dazu muss man nicht einmal auf einer einsamen Insel sein. Auch im Alltag können wir das Gefühl haben, übersehen zu werden - von Nachbarn, Freunden oder Angehörigen.

Doch welch ein Trost: Bei Gott ist kein Mensch vergessen. Niemand wird von Ihm verstoßen, keiner entgeht seinem Blick. Wenn wir uns Ihm zuwenden, dürfen wir seine Nähe erfahren. In den Psalmen lesen wir von Ihm: „Er hat das Schreien der Elenden nicht vergessen“ (Psalm 9,13). Dieses Bibelwort gilt auch heute und ermutigt uns, im Vertrauen auf Gott zu beten und Ihm ehrlich unsere Empfindungen mitzuteilen. Er wird ein aufrichtiges Gebet niemals unbeantwortet lassen.