Di Dienstag
12
Nov November
Es sagt aber Judas …: Warum ist dieses Salb­öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben worden? Er sagte dies aber nicht, weil er für die Armen besorgt war, sondern weil er ein Dieb war und die Kasse hatte und trug [oder: wegnahm], was eingelegt wurde.
Johannes 12,4–6

Judas, einer der Zwölf (2)

Die Jünger ziehen mit dem Herrn Jesus durchs Land. Judas ist dabei - unauffällig. Doch in der Woche der Kreuzigung ist er plötzlich keine Randfigur mehr.

Zunächst sind Jesus und seine Jünger in Bethanien zu einem Abendessen eingeladen. Da nimmt „Maria ein Pfund Salböl von echter, sehr kostbarer Narde und salbte die Füße Jesu und trocknete seine Füße mit ihren Haaren. Das Haus aber wurde von dem Geruch des Salböls erfüllt“ (V. 3).

Judas sieht das Öl - und fängt an zu rechnen. Er schätzt es auf 300 Denare, den Jahreslohn eines Tagelöhners. Ein hoher Betrag für Judas, der sicherlich oft von der Hand in den Mund lebt. Doch Judas rechnet noch aus einem anderen Grund: Er ist nicht nur Schatzmeister der Jünger - sondern auch ein Dieb, der „wegnahm, was eingelegt wurde“. Von den anderen Jüngern hatte das niemand bemerkt. Jesus wusste es - und ertrug es mit großer Geduld und Langmut.

Judas kritisiert Maria für die „Vergeudung“ und hat sogar noch ein frommes Argument zur Hand: die Armen. Doch wie kurz vorher der Duft des Öls durch die Räume zog, so macht sich jetzt ein Duft von Scheinheiligkeit, Besserwisserei, Kälte und Härte breit. Doch Jesus hält schützend seine Hand über Maria. Und in der ganzen Welt sollte man sich daran erinnern, auf welche Weise Maria den Sohn Gottes geehrt und erfreut hat (Matthäus 26,8.13).

Habe vielleicht auch ich schon einmal - wie Ju­das - vermeintlich Schwächere kritisiert und bloß­gestellt? Und habe ich andererseits nicht auch schon - wie Maria - erfahren, dass jemand schützend seine Hände über mich gehalten hat?