
Aus der Finsternis zum Licht (1)
In einem Land, in dem die Todesstrafe noch angewendet wird, werde ich gebeten, einen Gefangenen in seiner Zelle zu besuchen. Sein strahlender Gesichtsausdruck berührt mich tief. Er erzählt mir seine Geschichte:
„Es ist drei Jahre her, dass ich wegen eines Mordes zum Tod verurteilt wurde. Meine Zelle wurde mir zur wahren Hölle. Der Gedanke an den nahenden Tod verfolgte mich Tag und Nacht. Nur noch wenige Wochen - und dann die Ewigkeit!
Je mehr ich versuchte, diesen Gedanken zu verdrängen, desto mehr beherrschte er mich. Mir verging der Appetit und ich schlief nicht mehr. Schließlich beschloss ich, aus meinem Bettlaken ein Seil zu knüpfen, um meinem Leben ein Ende zu setzen. Doch der Gedanke an die Ewigkeit hielt mich zurück, denn ein Selbstmord hätte mich nur noch schneller dorthin gebracht.
Eines Tages wurde mir ein kleines Flugblatt zugesteckt. Ich warf einen flüchtigen Blick darauf und legte es beiseite. Beim ersten Lesen ergab der Text wenig Sinn. Doch dann las ich ihn erneut und begann, in meiner Zelle auf und ab zu gehen. Ein seltsames Gefühl überkam mich: Was ich da las, traf auf eine tiefe Sehnsucht meiner Seele. Ein Satz sprach mich besonders an: ‚Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist‘ (Lukas 19,10). Diese Worte waren für mich bestimmt! Ich hatte nur noch den einen Wunsch: von der schrecklichen Last, die mich bedrückte, befreit zu werden. Aber wie?
Ich bat um eine Bibel und begann sie zu lesen - mit einer Mischung aus Angst und Hoffnung. Dann stieß ich auf diesen Vers aus 1. Johannes 1,7: ‚Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.‘“
(Fortsetzung morgen)