Mi Mittwoch
27.
Mai Mai
Gott, mein Schöpfer, gibt Gesänge in der Nacht.
Hiob 35,10

Paul Gerhardt - Sänger im Dreißigjährigen Krieg

Am 27. Mai 1676, also vor 350 Jahren, starb der bekannte Liederdichter Paul Gerhardt. Seine Lieder sind bis heute aktuell und haben unzählige Menschen durch frohe und auch schwierige Lebensphasen begleitet: Das im besten Sinn zum Volkslied gewordene „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, das triumphierende „Ist Gott für mich“ oder das tröstende „Befiehl du deine Wege“ - sie und viele mehr gehören fest zum Liedschatz der Christenheit. Mit fröhlichem Staunen über Gottes Größe und tiefem Gottvertrauen, gerade in Zeiten des Kummers, sprechen sie unmittelbar zu Herz und Seele der Leser und Hörer.

Sein Leben war keineswegs frei von Not, Tragik und Katastrophen - im Gegenteil: Schweres Leid begleitete ihn von früh an. Paul Gerhardt wurde 1607 im sächsischen Gräfenhainichen geboren, studierte Theologie in Wittenberg und arbeitete zunächst als Hauslehrer, später als Pfarrer. Seine Eltern starben früh. Der Dreißigjährige Krieg, der 1618 ausbrach, überschattete fast die Hälfte seines Lebens. Immer wieder zogen Soldaten plündernd durchs Land, hinterließen Zerstörung, Tod und Seuchen. 1637 wurde seine Heimatstadt weitgehend zerstört, im selben Jahr starb sein Bruder an der Pest.

Tiefe Tragik prägte auch das Familienleben Paul Gerhardts: Innerhalb von 8 Jahren verlor er seine Frau und vier seiner fünf Kinder. Und doch atmen viele seiner Lieder Trost und Hoffnung - Ausdruck eines tiefen Glaubens, der ihm auch in schwersten Zeiten Halt gab.

Genau das macht seine Lieder bis heute so kraftvoll und aktuell: Sie sind nicht nur schöne Poesie, sondern vermitteln erlebten Glauben. Viele davon wurden in den letzten Jahren neu eingespielt - zum Teil in modernem musikalischem Gewand - und erreichen damit auch Menschen, die keinen Zugang zum Kirchenchoral finden.