So
16
Sep
Es war aber das Fest der Juden nahe, das Laubhüttenfest. Da sprachen seine Brüder zu Jesus: Zieh von hier weg und geh nach Judäa, damit auch deine Jünger deine Werke sehen, die du tust; denn niemand tut etwas im Verborgenen und sucht dabei selbst öffentlich bekannt zu sein. Wenn du diese Dinge tust, so zeige dich der Welt; denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn.
Johannes 7,2-5

Gedanken zum Johannes-Evangelium

In Israel gab es drei große Feste: das Passah, das Fest der Wochen und das Laubhüttenfest (vgl. 5. Mose 16). Das Laubhüttenfest war das letzte Fest im jüdischen Jahr. An diesem Freudenfest wohnten die Israeliten sieben Tage lang in Zelten aus Laub. Es weist auf die Freude des 1000-jährigen Reiches hin: Einst waren die Israeliten Knechte in Ägypten; jetzt wohnen sie in dem Land, das Gott ihnen von jeher verheißen hatte (3. Mose 23,33-43).

Anlässlich dieses Festes kamen jedes Jahr viele Menschen nach Jerusalem – für die Brüder Jesu eine großartige Gelegenheit, dass Jesus bekannt wird. Dabei denken sie zum einen an die Anhänger Jesu in Judäa, die ja nur hin und wieder seine Wunder mitbekommen haben. Darüber hinaus könnte die ganze „Welt“ inklusive der römischen Besatzungsmacht Jesus erleben. Ihr Argument lautet: Wem außergewöhnliche Kräfte verliehen sind, der hat das Recht, diese zu benutzen – zum eigenen Vorteil und zum Nutzen anderer.

Die Brüder Jesu gehörten zu denen, die darauf warteten, dass der Messias sein Volk endlich von der Herrschaft der Römer befreien würde. Wie erschütternd aber, dass damals selbst sie noch nicht an Ihn als den Erlöser glaubten (vgl. Apostelgesch. 1,14).

Man möchte meinen, es wäre vorteilhaft, mit dem Herrn durch verwandtschaftliche Beziehungen verbunden zu sein. Aber das ist es nicht: „Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts“ (Johannes 6,63).

Die schmeichelhafte Empfehlung der Brüder bedeutet also in Wirklichkeit: Wenn du nicht langsam ins öffentliche und politische Zentrum rückst, bist du gar nicht der Messias.