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14.
Mai Mai
Ein Mensch wird durch Glauben gerechtfertigt, ohne Gesetzeswerke.
Römer 3,28

Martin Boos - ein Priester findet die Gnade (2)

Etwa sieben Jahre setzt Martin Boos seine Anstrengungen fort, fromm zu werden und sich das Heil zu erwerben, bis Gott ihm auf unerwartete Weise die Augen öffnet.

Er erzählt weiter: „Etwa im Jahr 1788 besuchte ich eine sterbende Bäuerin, die wegen ihrer tiefen Demut und beispielhaften Frömmigkeit sehr angesehen war. Ich sagte zu ihr: ,Sie werden selig und in Frieden sterben.‘ - ,Aber warum denn?‘, fragte sie. ,Weil Sie so fromm und heilig gelebt haben‘, antwortete ich. Die Kranke lächelte über meine Worte und sagte: ,Wenn ich im Vertrauen auf meine Frömmigkeit sterben würde, so wüsste ich gewiss, dass ich verdammt würde. Aber im Vertrauen auf Jesus, meinen Retter, kann ich getrost und in Frieden sterben. Was sind Sie nur für ein Priester! Was für ein Tröster! Was würde aus mir, wenn ich auf Sie hören würde? Wie könnte ich vor Gott bestehen, vor dem jeder einmal Rechenschaft ablegen muss? Welche unserer guten Werke und Eigenschaften würden sich nicht als zu leicht erweisen, wenn sie in die göttliche Waagschale gelegt werden? Nein, wenn Jesus Christus nicht für mich gestorben wäre, dann wäre ich für immer verloren trotz all meiner guten Werke und meiner Frömmigkeit. Jesus ist meine Hoffnung, meine Rettung und mein ewiges Glück.‘“

Der junge Priester ist erstaunt. Er ist an das Bett dieser sterbenden Frau gekommen, um sie, wenn möglich, zu trösten, obwohl er selbst nicht weiß, dass wahrer Trost nur in Christus zu finden ist und nicht in religiösen Riten und Zeremonien. Er hat Belehrung gefunden, obwohl er sie nicht gesucht hat, und sein Erstaunen verwandelt sich in Scham, als ihm klar wird, dass er trotz all seiner Gelehrsamkeit nichts von dem weiß, was diese einfache Frau so gut kennt.

(Schluss morgen)