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13.
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Ich elender Mensch! Wer wird mich retten?
Römer 7,24

Martin Boos - ein Priester findet die Gnade (1)

Martin Boos (1762-1825) ist der Sohn einer wohlhabenden Bauernfamilie im Allgäu. Von frühester Jugend an hat er ein starkes Sündenbewusstsein. Er hat einen tadellosen Charakter und führt ein rechtschaffenes Leben. Als fleißiger Student schließt er sein Theologiestudium mit Erfolg ab. 1781 wird er zum Priester der römisch-katholischen Kirche geweiht. Seine Aufgaben im Amt nimmt er gewissenhaft wahr. Viele Jahre später erzählt er, welche „gewaltigen Anstrengungen“ er auf sich nahm, um ein guter und rechtschaffener Mensch zu werden und das ewige Heil zu erlangen:

„Jahrelang schlief ich sogar im Winter auf dem kalten Boden neben meinem Bett; ich geißelte mich, bis ich blutete; ich fastete und gab mein Brot den Armen; ich verbrachte jede freie Stunde in der Kirche oder auf dem Friedhof; ich betete stundenlang; ich ging fast jede Woche zur Beichte und zur Kommunion; kurz, ich erwarb mir solche Frömmigkeit, dass ich zum Vorsteher einer Glaubensgemeinschaft ernannt wurde. Aber was für ein Leben führte ich! Bei all meiner Heiligkeit versank ich immer mehr in mich selbst, wurde schwermütig, unruhig und wortkarg. In meinem Herzen wusste ich, dass ich ein elender, sündiger Mensch war. Wer konnte mich erlösen? Niemand war da, der mir gesagt hätte, dass wir die Gnade Gottes erhalten durch Jesus Christus, unseren Herrn, oder dass ,der Gerechte durch Glauben leben wird‘ (Römer 1,17). Und wenn ich Glauben erlangt hätte, so hätte mir die ganze Welt mit all ihrer Gelehrsamkeit und geistlichen Autorität eingeredet, dass ich Gift geschluckt hätte und alle um mich herum vergiften würde; dass ich es verdiente, gehängt, ertränkt, eingekerkert, verbannt oder verbrannt zu werden.“

(Fortsetzung morgen)