Do Donnerstag
4.
Aug August
Gott hat aus einem Blut jede Nation der Menschen gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen.
Apostelgeschichte 17,26

Der Philosophielehrer

Der Mann bat dringend um ein Gespräch mit dem Evangelisten, der die Abendvorträge hielt. Er hätte so viele Fragen. Also wurde ein Gespräch für den nächsten Vormittag vereinbart.

Zu Beginn der Unterhaltung meinte der Evangelist, dass er kein Philosoph sei. „Aber ich“, sagte der andere, und damit hatte er auch nicht unrecht. Er war Lehrer, und Philosophie war sein Hauptunterrichtsfach. Und schon kam seine erste Frage: Woher nahm Kain, der Sohn des ersten Menschen, seine Frau?

Merkwürdig, dass diese Frage so oft gestellt wird. Man überlegt: Wenn das erste Menschenpaar zwei Söhne hatte, Kain und Abel, woher kam dann Kains Frau? Die Bibel berichtet, dass Kain einen Sohn namens Hanoch hatte und dass er sogar eine Stadt baute, die er nach seinem Sohn nannte. Also muss es ja dann auch Menschen gegeben haben, die in dieser Stadt wohnten (1. Mose 4,17).

Ein wenig selbstsicher sah der Philosoph den Prediger an. Er sprach es nicht offen aus, dachte aber: Das mit der Schöpfung und mit Adam und Eva ist doch eine Legende. Und wie es zuweilen mit Geschichten geht: Sieht man sie sich genauer an, dann stimmen sie vorn und hinten nicht. Und wenn die Bibel schon am Anfang fragwürdig ist, was soll man erst von ihren späteren Mitteilungen halten?

Der Evangelist schlug seine Bibel auf und las unseren heutigen Vers. Kains Frau stammte also genauso von Adam und Eva ab wie ihre Brüder. Die Bibel berichtet ja auch davon, dass das erste Menschenpaar noch weitere Kinder hatte (1. Mose 5,3.4). Probleme mit schlechtem Erbgut gab es damals natürlich noch nicht.

Der Philosoph schwieg. War ihm die „Lösung“ zu einfach?